Forschung

Meine politikwissenschaftliche Forschung befasst sich mit Fragen der Internationalen Beziehungen und der Friedens- und Konfliktforschung. Derzeit arbeite ich vor allem an den folgenden Fragen:

Territorialisierung unerschlossener Räume

Räumlichkeit ist in der postnationalen Konstellation widersprüchlichen Veränderungen unterworfen, wie z.B. die weitere Auflösung des Containerstaates, insofern es diesen jemals gab, eine Loslösung des Territoriumsbegriffs vom souveränen Staat sowie eine Ergänzung geographischer Raumverständnisse durch relationale oder konstruktivistische Herangehensweisen. Vor diesem Hintergrund beschäftige ich mich damit, wie das internationale System mit “unerschlossenen” Räumen mit unklarer Souveränität umgeht. Im Vergleich unterschiedlicher Prozesse lässt sich beobachten, dass diese Räume früher oder später einem Prozess der Territorialisierung unterworfen werden. Für das Timing dieser Territorialisierungsepisoden sind ökonomische und sicherheitspolitische Anreize sowie die zur Verfügung stehenden Herrschaftstechnologien verantwortlich. Ich untersuche dies exemplarisch an Weltmeeren, dem Cyberspace und dem Weltraum.

Agency in der internationalen Hierarchie

Die postnationale Konstellation hat auch Auswirkungen auf Agency in der globalen Politik. Indem der Staat immer weniger als Gatekeeper zwischen Innen und Außen fungieren kann, haben andere Akteure mehr Spielraum, um sich eine eigene Agency zu erarbeiten, und erhalten so Zugang zu Entscheidungsprozessen und -räumen, die ihnen früher verschlossen geblieben wären. Gleichzeitig gibt es jedoch starke Kräfte, die Agency “normieren”, d.h. bestimmte Organisations- und Handlungsformen vorschreiben, damit einem Akteur seine Akteurshaftigkeit in einem bestimmten Kontext zugesprochen werden kann. Dies untersuche ich am Beispiel von Widerstandsbewegungen, die einerseits Objekt einer “governance of agency” sind, sich diese aber stets unter ungünstigen Bedingungen selbst erstreiten müssen.

Gewaltloser Widerstand und demokratische Konsolidierung

In einem DFG-geförderten Projekt (2015-2019) untersuche ich, welche langfristigen Auswirkungen gewaltloser Widerstand für die Konsolidierung einer Demokratie hat. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass Demokratien, die durch friedlichen Widerstand installiert wurden, eine signifikant längere Überlebensdauer haben als andere Demokratien. Weiterhin werden insgesamt sechs Fallstudien zu afrikanischen und lateinamerikanischen Demokratien durchgeführt, um die Kausalmechanismen zu untersuchen, über die gewaltloser Widerstand seine Wirkung über Jahrzehnte entfaltet. Auf diese Weise möchte das Projekt zur Theoriebildung zu Widerstand und politischer Transition beitragen.

Ursachen von Staatskollaps

Dieses 2011-2014 von der DFG geförderte Projekt unternimmt einen Vergleich mit mittlerer Fallzahl, ergänzt um vertiefende Einzelfallstudien, um Kombinationen von Bedingungen zu ermitteln, die zum Kollaps von fragilen Staaten führen. Durch einen synchronen und einen diachronen Vergleich von Kollapsbeispielen mit unterschiedlichen Kontrollgruppen werden Erklärungsmodelle entwickelt, die strukturelle und dynamische Faktoren kombinieren, um so nicht nur die grundlegenden Eigenschaften von kollabierenden Krisenstaaten zu identifizieren, sondern auch um Erkenntnisse über den Zeitpunkt des Kollapses zu gewinnen.

Abgeschlossene Projekte

In der Vergangenheit habe ich außerdem zu Peace- und Statebuilding, zu fragilen Staaten in der Entwicklungszusammenarbeit sowie zur politikwissenschaftlichen Lehr-Lern-Forschung geforscht.